Palmenhaus Pillnitz
Dresden, Sachsen

Quellen geprüft im Oktober 2026
- Jahr
- 1859–1861
- Stil
- Haus aus Gusseisen und Glas aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: zwei Flügel und ein zentrales Achteck
- Abmessungen
- 93,70 m lang; ≈660 m²; Achteck 12 m hoch und 15 m breit
- Status
- Für die Öffentlichkeit geöffnet
1859–1861 unter König Johann von Sachsen im Park von Schloss Pillnitz an der Elbe gebaut, galt dieses 93,70 Meter lange Gewächshaus damals als das größte vollständig aus Gusseisen errichtete Gewächshaus Deutschlands. Zwei Flügel flankieren ein zentrales, 12 Meter hohes Achteck. 1969 von der Bauaufsicht geschlossen und in den 1980er-Jahren nahezu völlig verfallen, wurde es in mehreren Etappen unter möglichst weitgehender Erhaltung der historischen Substanz restauriert und im März 2009, im Jahr seines 150-jährigen Jubiläums, wiedereröffnet. Es zeigt Kapflora, Palmen und australische Vegetation.
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Geschichte
Im Park von Schloss Pillnitz an der Elbe diente ein 1785 angelegter Holländischer Garten als Mittelpunkt der botanischen Schule der Anlage. Das Palmenhaus ersetzte dort drei ältere Gewächshäuser. Laut der Website des Schlosses, der deutschen Wikipedia und der Zeitschrift Bauhandwerk wurde es ab 1859 unter König Johann von Sachsen errichtet: der Südflügel 1859, der Mittelbau 1860 und der Nordflügel 1861. Der Arbeitskreis Orangerien in Deutschland nennt dagegen einen Bauzeitraum von 1849 bis 1862. Der Bau galt damals als größtes Gewächshaus Deutschlands, das vollständig aus Gusseisen besteht; als Vorbilder werden die Gewächshäuser von Birmingham (1830) und der Londoner Crystal Palace (1851) genannt.
Ein Umbau 1951–1952 beseitigte die Innenverglasung. In den 1960er-Jahren war das Gebäude nicht mehr sicher, und die Behörden schlossen es 1969. In den 1980er-Jahren war es fast vollständig verfallen, mit zerschlagenen Scheiben, durch die Dächer wachsenden Bäumen sowie Efeu und Gestrüpp, die das Mauerwerk bedeckten. Eine erste Kampagne von 1991 bis 1994 erforderte, mehr als die Hälfte der Bauteile neu zu gießen. Die Arbeiten wurden im November 2007 unter dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) wieder aufgenommen, mit mehr als zwei Millionen Euro vom Freistaat Sachsen. Das Haus wurde Ende März 2009 als Pflanzenschauhaus wiedereröffnet, im Jahr seines 150-jährigen Bestehens.


Architektur und Ingenieurbau
Das Palmenhaus besteht aus drei verbundenen Gewächshäusern mit einer Gesamtlänge von 93,70 Metern und einer Fläche von etwa 660 m² (659 m² laut dem Arbeitskreis Orangerien). Zwei Flügel flankieren eine achteckige Mittelhalle von 12 Metern Höhe und 15 Metern Breite. Die aus vorgefertigten Elementen bestehende Konstruktion ist vollständig aus Gusseisen, damals eine moderne Technik, und die Quellen vergleichen sie mit den großen Eisen-Glas-Bauten ihrer Zeit, etwa dem Crystal Palace und dem Temperate House in Kew (1859–1863).
Im Inneren ist das Haus in Warm- und Kühlbereiche unterteilt, die auf die gezeigten Floren abgestimmt sind. Die 2009 abgeschlossene Restaurierung setzte auf behutsame Instandsetzung, die möglichst viel der historischen Substanz schonte; sie folgte auf eine frühere Kampagne, in der mehr als die Hälfte der Elemente neu gegossen werden musste. Hinter einer unscheinbaren grauen Tür in der Mittelhalle zeichnet eine zweigeschossige Ausstellung die Geschichte des Gebäudes nach.


Pflanzensammlungen
Die Pflanzen sind in Gemeinschaften angeordnet, wie sie in ihren natürlichen Lebensräumen vorkommen. Der Südflügel ist Pflanzen aus der Kapregion Südafrikas gewidmet, aufgeteilt in Kühl- und Warmbereiche; die Mittelhalle beherbergt verschiedene Palmenarten; und der Nordflügel gehört der australischen Vegetation. Pflanzen aus Neuseeland runden dieses auf die Südhalbkugel ausgerichtete Ensemble ab.
Diese Wahl setzt die historische Bestimmung des Hauses fort, dessen Sammlung sich bereits auf die Vegetation Südafrikas, Australiens und Neuseelands konzentrierte. Das Palmenhaus bildet damit ein Gegenstück zu den anderen bemerkenswerten Pflanzen des Parks, allen voran der 1801 in Pillnitz gepflanzten Japanischen Kamelie.


Besuch
Das Palmenhaus steht im Park von Schloss Pillnitz, im gleichnamigen Dresdner Stadtteil an der Elbe. Es ist das ganze Jahr über geöffnet, sodass es auch im Winter ein mögliches Ziel ist. In der Mittelhalle versammelt die als Graphic Novel gestaltete historische Ausstellung Schwarz-Weiß-Fotografien des Dresdner Fotografen Franz Zadnicek, die das Gewächshaus als Ruine zeigen.
Ein Besuch lässt sich gut mit der Pillnitzer Kamelie verbinden, einer mehr als 230 Jahre alten und etwa 8,90 Meter hohen Camellia japonica, die im Winter von einem fahrbaren Gewächshaus auf Schienen (13,2 Meter, 54 Tonnen) geschützt wird, sowie mit der Orangerie, dem ehemaligen Karussellhaus, das Ende des 19. Jahrhunderts um zwei Flügel erweitert wurde.
51.01° N, 13.87° E
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Quellen (6)
- schlosspillnitz.de/de/schloss-park/palmenhaus/
- schlosspillnitz.de/de/schloss-park/geschichte/
- de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Pillnitz
- bauhandwerk.de/artikel/bhw_Wiedereroeffnet_Palmenhaus_im_Park_Schloss_Pillnitz-134639.html
- orangeriekultur.de/pages/orangerien/orangerien-und-glashaeuser-in-deutschland/sachsen/palm
- openstreetmap.org/way/25047266
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