Gewächshäuser des Botanischen Gartens der Universität Potsdam (Palmenhaus und Victoriahaus)
Potsdam, Brandenburg

Quellen geprüft im Oktober 2026
- Jahr
- 1908–1912
- Stil
- Ehemalige Gewächshäuser der königlichen Gärtnerei von Sanssouci, durch einen Verbindungsgang verbunden; denkmalgeschütztes Palmenhaus und Victoriahaus
- Abmessungen
- ≈3.000 m² Gewächshäuser; Kalthaus rund 93 m lang
- Status
- Täglich für die Öffentlichkeit geöffnet
Am Nordrand des Parks Sanssouci, unmittelbar südwestlich des Orangerieschlosses, nimmt der Botanische Garten der Universität Potsdam seit 1950 die ehemalige königliche Gärtnerei an der Maulbeerallee ein. Seine zwischen 1908 und 1912 erbauten Gewächshäuser, die noch weitgehend ihrem ursprünglichen Grundriss folgen, sind durch einen Verbindungsgang verknüpft; das große Palmenhaus und das Victoriahaus, beide denkmalgeschützt, sind Originalbauten. Neun Schauhäuser zeigen fast 4.000 tropische und subtropische Arten, während ein rund 93 Meter langes Kalthaus Kübelpflanzen im Winter beherbergt.
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Geschichte
Das Gelände wurde schon lange vor dem Botanischen Garten von Hofgärtnern bewirtschaftet. Seit der Zeit Friedrichs II. standen westlich von Schloss Sanssouci Orangerien und Treibhäuser für Kirschen, Wein, Feigen und Aprikosen, die die königliche Tafel belieferten. Nach 1840 erweiterte der Hofgärtner Hermann Sello diese Gärtnerei und legte nach Plänen von Peter Joseph Lenné den Paradiesgarten nördlich der Maulbeerallee an. Zwischen 1908 und 1912 wurden unter dem Gartendirektor Friedrich Kunert ein Palmenhaus und vier weitere Gewächshäuser gebaut; die Grundrisse dieses Komplexes sind größtenteils bis heute erhalten.
Im ersten Jahr nach dem Krieg wurde ein Teil der ehemaligen Gärtnerei zu einer Außenstelle des Moskauer Botanischen Gartens der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, eingerichtet von Wolfgang Müller-Stoll. 1950 wurde das Gelände als Botanischer Garten an die neue Lehrerbildungshochschule Brandenburgs übergeben, die zur Pädagogischen Hochschule Potsdam und 1991 zur Universität Potsdam wurde. Müller-Stoll, der erste Professor für Botanik und Gartendirektor, wurde im August 1961 aus politischen Gründen entlassen und 1991 rehabilitiert.
1953 wurde das ehemalige Nelkenhaus zu einem Victoriahaus umgebaut. Das denkmalgeschützte Palmenhaus wurde 1998 nach den Originalplänen vollständig saniert. Vorangetrieben von 1969 bis 2002 vom technischen Leiter Wolfgang Pifrement, fand die Modernisierung der Gewächshäuser 2012 mit dem Bau eines neuen Vermehrungshauses einen vorläufigen Abschluss.
Architektur und Ingenieurbau
Die Gewächshäuser bilden eine Gruppe, die von einer Verbindungsgalerie, dem Gewächshausverbinder, erschlossen wird, der von einem Haus zum nächsten führt. Die Besucher betreten die Anlage an der Ostseite des großen Palmenhauses. Südlich der Galerie liegen das Epiphytenhaus, das Nutzpflanzenhaus, ein der Vielfalt tropischer Blattpflanzen gewidmetes Haus und das Kakteenhaus; im Norden folgen von West nach Ost die Aquarienhalle, das Victoriahaus, das Orchideenhaus und das Farnhaus. Entlang der Grenzmauer zur Maulbeerallee verläuft ein etwa 93 Meter langes Kalthaus, in dem Kübelpflanzen bei etwa 5 °C überwintern. Insgesamt bedecken die Häuser etwa 3.000 m².
Das Palmenhaus und das Victoriahaus, ursprüngliche Bauten der königlichen Gärtnerei, sind Baudenkmäler, weshalb die 1998 notwendig gewordene vollständige Sanierung des Palmenhauses den Originalplänen getreu folgte. Die Verbindungsgalerie ist mehr als ein Korridor: Sie beherbergt Kletterpflanzen und ist regelmäßig Schauplatz von Konzerten, Lesungen und Ausstellungen, während das im Sommer von seinen Pflanzen geleerte Kalthaus für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.
Pflanzensammlungen
Im Garten wachsen fast 9.000 Arten; seine neun Schauhäuser zeigen davon nach Angaben des Gartens fast 4.000, nach Wikipedia etwa 4.600. Im Palmenhaus veranschaulichen Palmen, Riesenbambus (Dendrocalamus giganteus) und Bananen die Vielfalt tropischer Baumformen; zwei mehrstämmige Zwergpalmen (Chamaerops humilis), auf etwa 140 Jahre geschätzt, stammen aus der ehemaligen Hofgärtnerei. Das Palmenhaus beherbergt zudem einen großen Teil der Passionsblumensammlung.
Das Victoriahaus zeigt Victoria cruziana, eine Riesenseerose aus Paraguay und Nordargentinien, deren Blätter 1,40 Meter Durchmesser erreichen und deren Blüten, erst weiß und dann rosa, nur zwei Nächte lang geöffnet sind; auch Ameisenbäume der Gattung Cecropia wachsen dort. Das Nutzpflanzenhaus zeigt Maniok, Guave, Kaffee, Kakao, Baumwolle und Zuckerrohr, und im Winter beherbergt das Kalthaus Kübelpflanzen aus Australien, dem Mittelmeerraum und Asien. Zu den Sammlungen des Gartens gehören außerdem etwa 320 Orchideen- und 230 Farntaxa.
Besuch
Der Garten liegt am nördlichen Rand des Parks Sanssouci, Maulbeerallee 2, unmittelbar südwestlich des Orangerieschlosses. Die Maulbeerallee teilt ihn in zwei Hälften: Im Süden liegen die Gewächshäuser, das Institut und die Freilandbeete; im Norden befindet sich der Paradiesgarten mit seinem von Ludwig Persius entworfenen Atrium. Der Garten ist täglich geöffnet.
Der Rundgang durch die Gewächshäuser beginnt im Palmenhaus, von dem die Verbindungsgalerie zu den anderen Häusern führt; nahe der Aquarienhalle gibt es eine Sitzgelegenheit. Der Garten veranstaltet rund fünfzig Veranstaltungen im Jahr, und ein Besuch lässt sich natürlich auf das Orangerieschloss und den übrigen Park Sanssouci ausdehnen.
52.40° N, 13.03° E
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Quellen (7)
- uni-potsdam.de/de/botanischer-garten/unser-garten/gewaechshaeuser/palmenhaus
- uni-potsdam.de/de/botanischer-garten/unser-garten/gewaechshaeuser/victoriahaus
- uni-potsdam.de/de/botanischer-garten/unser-garten/gewaechshaeuser/gewaechshausverbinder
- uni-potsdam.de/de/botanischer-garten/unser-garten/gewaechshaeuser
- uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2020-04-08-jubilaeumsfest-wird-nachgeholt-70-jahre-bo
- de.wikipedia.org/wiki/Botanischer_Garten_Potsdam
- en.wikipedia.org/wiki/Botanical_Garden,_Potsdam
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